Die Bürgschaft, Opernfragment von Franz Schubert

Die Bürgschaft, Oper in zwei Akten, (Fragment, 1816, D 435)

nach der gleichnamigen Ballade von Friedrich Schiller

Schuberts Opern-Fragment  "Die Bürgschaft", deren Librettist unbekannt ist, kam bisher erst zweimal zur Aufführung: konzertant in Wien 1908 und szenisch in einer Produktion der Friedrich Schiller Universität Jena im Rahmen des Schiller-Jahres 2005. Das Fragment besteht aus 15 vollendeten und einer unvollendeten Nummer.

Inhalt

 

Die Oper spielt in einer Diktatur. Morde an der Bevölkerung sind an der Tagesordnung. Eine Gruppe Verschwörer überredet Damon, der seine Freundin durch die Milizen des Diktators verloren hat, ein Attentat auf den König auszuüben. Der Mordanschlag misslingt und Damon wird zum Tode verurteilt. Er kann einen dreitägigen Aufschub beim König erwirken, um seine Schwester durch eine Heirat zu versorgen. Sein Freund Theages stellt sich für diese Zeit als Geisel zur Verfügung.  Der König stellt Damon eine moralische Falle: im Falle einer verspäteten Rückkehr wird die Geisel stellvertretend für den Schuldigen getötet, dem Attentäter jedoch die Freiheit geschenkt.


Nach vollzogener Hochzeit der Schwester gerät die Rückkehr des Verurteilten zu einem Wettlauf gegen die Zeit: Ein Unwetter und der Überfall einer Räuberbande behindern das Fortkommen des Todgeweihten; währenddessen werden in der Hauptstadt die Vorbereitungen für die Hinrichtung des unschuldigen Freundes getroffen. Die Verzweiflung von dessen hochschwangerer Frau Anna und deren Kindern steigt ins Unermessliche und die Bevölkerung demonstriert gegen das Regime.


In letzter Minute erscheint der treulos geglaubte Verurteilte und besteht auf seiner Hinrichtung. Der Pessimismus des Königs ist durch die Freunde so in Erschütterung geraten, dass er auf die Hinrichtung verzichtet und die beiden um die Aufnahme in ihren Freundschafts-Bund bittet.

Schubert´s Oper bricht in der Hinrichtung-Szene ab und eröffnet damit Fragen und Möglichkeiten: würde ein Volk die "Läuterung" eines Tyrannen hinnehmen? würden sich die Demonstranten durchsetzten und einen demokratischen Staat erwirken? Was würde dann mit dem König passieren? Wie verhält sich der Einzelne zur Masse und wie die Masse sich zum Einzelnen?

In unserer Fassung endet das Stück mit einem Diskurs über die Zulässigkeit einer aller Tagesaktualität spottenden Hoffnung auf das sogenannte Gute im Menschen, in den sich auch die Bürger der Zukunft in Gestalt der ungeborenen Kinder einschalten. Auch wenn alles gegen die Utopie spricht, ist es doch möglich, sich selber zu einer Utopie zu machen und damit Wirklichkeit zu schaffen.


Libretto: Paula Fünfeck
Konzeption/Neufassung: Anna-Sophie Brüning und Paula Fünfeck

 


Rollen

 

Dionysios, Gewaltherrscher (Bass)
Damon, Attentäter (Bariton)
Theages, sein Freund (Bariton)
Anna, Theages' Frau (Sopran)
Philostratus, (Tenor, kl. Rolle)
Vier Räuber, 2 Tenöre, 2 Bässe (kl. Rollen)
2 Bürger der Zukunft (Kindersolisten, Sopran)
Chor: als Verschwörer, Mülltaucher, Hochzeitsgäste, Demonstranten
Kinderchor

 

Darsteller

 

Dorfleute, Hochzeitsgäste, Braut, Bräutigam, Interviewer, Demonstrantin.

Orchesterbesetzung

 

2 Fl., 2 Ob., 2 Kl., 2 Fg., 2 Hr., 2 Trp., 3 Pos., Pauke, Streicher.